Angewandte Improvisation in der Behandlung von Essstörungen
17.06. | 15:00 - 16:00
| Angewandte Improvisation (nach Viola Spolin und Keith Johnstone) bietet in der Therapie die Möglichkeit der emotionsaktivierenden Behandlung. Es handelt sich um aktivierende Gruppenspiele sowie die Entwicklung von Szenen „aus dem Moment“ heraus, die Entwicklung von Spontaneität sowie die bewusste Abkehr vom kognitiven Fokus. Weitere Grundprinzipien bestehen in einer zugewandten, kontaktoffenen, akzeptierenden Haltung („Yes, and…“) sowie einer dezidiert positiven Fehlerkultur („Scheiter heiter!“). Zudem werden achtsamkeits- und konzentrationsfokussierte Methoden vermittelt. Durch eine wertfreie Exposition mit Scham und Kontrollverlustängsten hat die Angewandte Improvisation das Potenzial, Essstörungspatientinnen allgemein beim Aufbau von Flexibilität, Selbstsicherheit oder Fehlertoleranz, aber auch themenorientiert in der Körperbildarbeit zu unterstützen. Sowohl zur Angewandten Improvisation in der Körperbildarbeit als auch zur allgemeinen IMPRO:VE-Gruppe wurden sowohl Fragebogendaten als auch Erfahrungsberichte von Patientinnen erhoben. Die Erfahrungen von Anwendenden und Teilnehmenden sind äußerst positiv und vielversprechend: Die Methode bietet neben dem Training von Flexibilität und Ressourcenstärkung eine sehr effiziente Möglichkeit, in kürzester Zeit wichtige Themen emotionsaktivierend und wertfrei sowie konstruktiv zu besprechen und alternative Verhalten auszuprobieren. Belastende Themen werden so leichter thematisierbar. Eine systematische Evaluation der Wirkung und der Wirkmechanismen der Angewandten Improvisation in der Therapie steht noch aus. Die positiven Erfahrungen sollten uns motivieren, diese Forschungsperspektive zu verfolgen. Dr. Reinhild Schwarte |